"Die Kunst schmückt uns"

Datum:
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Kategorie:
Kultur & Freizeit

Klaus Ochs, von 2008 bis Januar 2020 Geschäftsführer in der RaumFabrik Durlach, über seine Leidenschaft für Kunst

Ihrem Kunstinteresse haben wir es zu verdanken, dass wir jetzt in der RaumFabrik Durlach so viel Kunst haben, richtig?


Natürlich nicht nur mir, sondern auch den anderen Gesellschaftern, die sich allesamt für Kunst interessieren. Wir hatten nicht nur zu den ganz namhaften Künstler:innen Freundschaften, sondern auch eine Nähe gepflegt zu Künstler:innen, die, was das Alter betrifft, noch nicht so weit waren.

Dann gab es in den 90er Jahren eine Künstlergruppe, die Kunst im öffentlichen Raum präsentieren wollte, und zwar mit Plakatwänden. Auf die Aktion sind wir natürlich aufmerksam geworden. Dann lag es ganz nahe, dass wir einen Stock bilden wollten, für diese großartigen Künstler:innen von PLAKAT WAND KUNST e.V.. Sie sollten die Möglichkeit bekommen, bei uns in der RaumFabrik Durlach ihre Arbeiten zeigen zu können. Außerdem hatten wir schon von Anfang an das große Ansinnen, dass die Künstler:innen ihre Kunstwerke nicht nur präsentieren, sondern auch verkaufen konnten. Das ging natürlich dann so weit, dass wir auch selber Arbeiten erworben haben. 

Wir haben dann, kurz nachdem die RaumFabrik Durlach gegründet wurde, eine erste große Ausstellung gemacht. Die großen Fluchten der Fabrikhallen haben sich dazu unglaublich angeboten. Die drei Künstler waren Arnim Tölke, Dag Seemann und Reinhold Braun, die alle Meisterschüler von Prof. Markus Lüpertz waren. Dieser hat auch die Laudatio gehalten. Ob man es glaubt oder nicht: Die Vernissage hatte 1000 Besucher:innen. Das war schon was ganz Tolles, da es auch für Karlsruhe ein wichtiger Schritt war. 

Woher rührt Ihre Leidenschaft für Kunst?


In meiner Lehrzeit, ich war etwa 15 Jahre alt, hatte ich ein Bild entdeckt hier in Durlach, von Werner Kornhas, das mich sehr beeindruckt hat. Es war ein Ölbild und hat damals unermesslich viel gekostet, 1200 Mark. Damals natürlich ein großes Geld, aber ich bin heute noch froh, dass wir es in unserem Besitz haben. In meiner Familie war Kunst schon immer wichtig. Mein Vater hatte eine kleine Sammlung und auch einer meiner Brüder hat sich sehr für Kunst, klassische Musik und Architektur interessiert. Dieses Gemisch hat mich mit der Kunst in Verbindung gebracht. 

Außerdem hatte ich das Glück, genau da in Karlsruhe zu wohnen, wo es ein Lokal gab, das Pomodoro, wo sich viele namhafte Künstler:innen getroffen haben, zum Beispiel von der Kunstakademie, die auch schon vor 100 Jahren einen ausgezeichneten Ruf hatte. In der Zeit haben sich viele Freundschaften entwickelt - zu Markus Lüpertz, Ralf Penck, Georg Baselitz, Max Kaminski und vielen anderen - die bis heute bestehen. Und wenn ich mal wieder zur Ruhe kommen will, dann kommt eben die Kunst oder die klassische Musik zum Tragen.

Was glauben Sie, reizt die Künstler:innen, ihre Werke in der RaumFabrik Durlach auszustellen?


Die Künstler:innen haben hier diese Plattform, dieses Ruppige, die Ziegelwände. Das erinnert sehr an die Berliner Szene. Es ist letztlich für beide Seiten etwas ganz Ergiebiges, denn bis heute ist die Erwartungshaltung sehr groß. Mit der ersten Ausstellung war bereits der Anspruch da, ein Standard wurde gesetzt. Irgendwann kam dann der Ortschaftsrat von Durlach und fragte: „Wann gibt's denn mal wieder eine Ausstellung?“ 


Haben Sie immer noch regelmäßig Kontakt zu den Künstler:innen?


Es intensiviert sich jetzt wieder, weil ich jetzt wieder mehr Zeit dafür habe. Die Zeit jetzt ist natürlich nicht günstig, aber ich bin doch sehr aufmerksam an der Sache dran und habe viele Kontakte wieder aufgefrischt. Das war eine große Genugtuung für beide Seiten. 

Die Gemälde und Skulpturen fügen sich wunderbar ein in das komplette Konzept und die Architektur hier in der RaumFabrik Durlach. Wie wurden die Standorte dafür ausgewählt?


Man ist natürlich in Korrespondenz mit den Künstler:innen. Die erste große Arbeit, die wir erwerben durften, war von Prof. Werner Pokorny, - ich nenne sie jetzt ganz banal “Die gebogenen Häuser”, auch wenn der Anspruch vom Künstler viel höher ist - Sie sollte ganz symbolhaft, zentral stehen.

Kunst an der RaumFabrik Durlach
Ineinander IX von Prof. Werner Pokorny (2003)

Wir haben sehr konstruktive Gespräche mit den Künstler:innen geführt, bei denen keine:r zu kurz kam. Am Ende waren sowohl wir als auch die Künstler:innen mit der Platzierung sehr zufrieden. Das Besondere hier ist ja auch, dass die Kunstwerke das ganze Jahr über zu sehen sind. Der Preis ist aber natürlich, dass die Kunst mit der Zeit vergeht. Dann muss man im Gespräch mit den Künstler:innen die Arbeiten wieder instand setzen.

Haben Sie ein persönliches Lieblingskunstwerk?


Da gibt es viele. Beeindruckend finde ich zum Beispiel das ganz “einfache” Kunstwerk. Das ist im Prinzip nur ein Spiegel, aber das ist auch die hintergründige Symbolik, die Jürgen Zimmermann mit seinen Kunstwerken zeigen kann. Auch von Claus-D. Moor haben wir eine wunderbare Arbeit aus Marmor.

Kunst an der RaumFabrik Durlach
Turm V/I von Prof. Werner Pokorny (2015) und H 1543 von Claus-D. Moor (2000) (v.l.n.r.)

Schön ist auch: Wenn man morgens ankommt und man direkt Rainer Braxmaiers “Das wohltemperierte Klavier” sieht. Das ist eine Tastatur, die am Kesselhaus hängt. Aber eigentlich mag ich alle unglaublich gern. Ich würde jede Arbeit vermissen. Mir würde sofort auffallen, wenn eine Arbeit fehlt.

Kunst an der RaumFabrik Durlach
Wohltemperiertes Klavier von Rainer Braxmaier (2000) (2. Bild von unten)

Was war bisher Ihr künstlerisches Highlight in der RaumFabrik Durlach?


Die erste große Ausstellung mit 1000 Besuchern, das war schon was ganz Besonderes. Das war für mich dann auch das Signal, dass man hier mit der Kunst weitermachen sollte.

Blicken wir in die Zukunft. Gibt es Pläne für eine weitere Ausstellung?


Der Wunsch ist da und ich bin zu 100 Prozent sicher, dass da auch was kommen wird. Wann, wissen wir aber aktuell noch nicht. Wir freuen uns auf alles, was noch kommt.

Vielen Dank für das Gespräch!

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